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Donnerstag, 12. Juli 2012

Freundliche Marken


Bis in die frühen 1970er Jahre hatten viele Marken und Produkte hübsche vermenschlichte oder animalische Visualisierungen als Ergänzung der Wortmarke. Der Michelin-Mann »Bibendum« ist als Markenzeichen bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und hat sich bis heute erhalten; der Erdal-Frosch ebenfalls und ein paar andere auch. Doch im Großen und Ganzen ist ein Markenzeichenschwund zu beobachten, wenn es um die humanoide oder animalisierte Visualisierung geht. Das Öltropfen- bzw. Flammen-Männchen von Esso? Gestorben. Der Sarotti-Mohr: Muss vermutlich aus Political Correctness-Gründen überarbeitet werden. Anbei ein paar Beispiele aus der französischen Automobilzulieferbranche der 1960er Jahre: Der Motorradreifen »Rapido« und der Sportreifen »XAS« von Michelin als "behelmte Augen".

Da stellt man sich direkt die animierte Version als TV- oder Kinospot vor ...

Der französische Autoelektrikhersteller Marchal hatte in den 1950er Jahren eine Katze als Markenzeichen eingeführt, die im Signet später ein wenig zum Fuchs mutierte, auf Plakaten jedoch weiterhin Katze blieb. Warum verschwindet so etwas?


Und hier, weil's so schön ist, das Öltropfenpärchen auf seinem Scooter.

Freitag, 23. Dezember 2011

Schubladendenken

Es ist schon traurig: Da steht Weihnachten vor der Tür und in irgendwelchen Etats von Ministerien und Behörden ist noch Geld frei. Das muss unbedingt für irgendetwas ausgegeben werden, sonst ist die Budgetierung für nächstes Jahr futsch. Mensch, denkt sich der eine oder die andere, da könnten wir doch ein bisschen Kommunikation machen! Mal 'ne Kampagne oder so was ähnliches.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hatte wohl auch zu viel Geld über. Mit Hilfe einer maltesischen (!) Agentur überzieht sie die Citylights und 18/1-Werbeflächen mit Motiven, die einem wirklich die Schuhe ausziehen ob ihrer Naivität und Plumpheit. »Kein Mensch passt in eine Schublade« Ach wirklich? Das ist ja ganz neu! Und was sehen wir? Richtig, Schubladen! Und zwar so ganz alte, in die noch kleine Karteikarten reinpassen. Was will man uns denn damit sagen? Dass auf den Ämtern immer noch mit Karteikästen aus der Nazizeit gearbeitet wird? Dass in unseren Hirnen kleine Holzschublädchen angesammelt sind? Aua! So, und jetzt die Kategorien: Gender bzw. sexuelle Orientierung. Religion bzw. Weltanschauung. Behinderung. Alter. Und ethnische Herkunft. Mann, das ist wirklich ehrenwert! Was ist denn mit der Weltanschauung? Taliban, christlicher Fundamentalist, Satanist: kein Mensch passt in eine Schublade – nein, er sprengt sie vorher! Und den ganzen Laden mit!
Menschen brauchen Kategorien, um sich zu orientieren. Das gehört zur Ökonomie der Wahrnehmung. Antidiskriminierung – wer wollte widersprechen? Aber die Motive sind so dumm und einfältig wie die Menschen, die diskriminieren. Diese Motive sind typisch für die Art von Kampagnen, bei der man ein Motiv gefunden hat, dass halbwegs zu funktionieren scheint. Aber dann heißt es: Wir brauchen mehr Motive für verschiedene Kategorien. Klar, gerade bei Gender gibts ja die große Auswahl: Mann, Frau und irgendwas dazwischen. Drei Schubladen! Toll, Spitzenmotiv!
Und dann die technische Umsetzung: Ich habe schon lange keine so dilettantische und schlampig gemachte Bildbearbeitung gesehen wie auf diesen Plakaten von der Agentur Lighthouse & Ashley aus Malta, die vor allem Lobbying-Kommunikation für europäische Regierungsstellen, Regierungsunternehmen und regierungsnahe Organisationen macht. Von perspektivischer Verzerrung keine Ahnung. Für den Übergang von Schärfe zu Unschärfe kein Gefühl. Peinlich, inhaltlich und formal.